Schule an Kinder anpassen

Abitur nach acht Jahren – das will inzwischen niemand mehr. Doch welche Vorschläge schaffen bessere Bildungschancen für alle? Weniger Stunden oder doch eine längere Zeit bis zum Abitur? Ich habe nachgefragt bei der Schulexpertin der Kölner SPD, der Landtagsabgeordneten Gabriele Hammelrath.

Das unter der früheren CDU-Regierung eingeführte G8 soll reformiert werden. Welche Vorschläge hat die SPD?

Erste und wichtigste Reform: Die Sekundarstufe I soll am Gymnasium wieder auf sechs Jahre verlängert werden. Damit haben die Kinder mehr Zeit für das Lernen, aber auch mehr Zeit für ihre Freunde, für Sport, für Musik, kurz, für sich.
Zum Ende der Sekundarstufe I erhalten die Schüler*innen und ihre Eltern die Wahl: Unmittelbarer Start in die Qualifizierungsphase von zwei Jahren bis zum Abitur, oder doch noch ein Jahr zusätzlich in der Einführungsphase mit mehr Zeit zum Lernen oder zum Auslandsaufenthalt.
Also ein flexibles System, das auf die Verschiedenheit der Kinder und Jugendlichen eingeht. Wir passen die Schule an die Kinder an, nicht umgekehrt!
Im Detail ist dieser Vorschlag nachzulesen in unserem Landtagswahlprogramm 2017.

Welche Auswirkungen haben diese Vorschläge für Schüler*innen an anderen Schulformen als an Gymnasien?
Durch die Wiedereinführung eines sechsten Jahres in der Sekundarstufe I an den Gymnasien soll dort auch wieder ein mittlerer Schulabschluss nach der 10. Klasse ermöglicht werden. Der Effekt: Durch den zeitgleichen und gleichwertigen mittleren Schulabschluss an den weiterführenden Schulen erhöhen wir die Durchlässigkeit im System. Während gleichzeitig an den Gymnasien der Leistungsdruck gesenkt wird. Schüler*innen von Real- und Gesamtschulen wird der Übergang ins Gymnasium einfacher ermöglicht.

Decken sich diese Ziele mit denen des Volksbegehrens? Worin bestehende wesentlichen Unterschiede?
Das einzige Ziel bei dem wir uns einig sind, ist die Entscheidung, mehr Zeit zum Lernen zu geben.
Aber wir wollen Kindern und Eltern Entscheidungsfreiheiten geben – die Initiatoren des Volksbegehrens wollen zurück in die 60er Jahre. Halbtagsgymnasien nur für eine kleine Gruppe, das ist ihr Ziel. Aber das passt nicht zu unserer Politik, möglichst vielen Kindern möglichst gute Chancen zu geben und für unser Land alle Talente zu nutzen.
Andere Bereiche sehe nicht nur ich, sondern auch viele G9 Befürworter, z.b. Schülervertretungen oder Elternverbändeproblematisch: Ein Hauptkritikpunkt ist beispielsweise die kategorische Abwendung vom Ganztag und der Wegfall der Förderstunden. Nachzulesen in der Stellungnahme der Landesschüler*innenvertretung unter http://lsvnrw.de/positionen/presse/schueler-legen-konzept-im-streit-um-den-ganztag-vor/. Und auch die Landeselternschaft der integrierten Schulen (LEiS) plädiert deshalb gegen das Begehren und für ein „ordentliches Gesetzgebungsverfahren“, bei dem die Wünsche der Schüler*innen angemessen miteinbezogen werden können.