NRW-Landtagsabgeordnete dos Santos Herrmann fordert Umkehr in der Verkehrspolitik

„Mehr Bahn, Bus und Fahrrad ist ein Gewinn für alle“

Die Kölner NRW-Landtagsabgeordnete Susana dos Santos Herrmann (SPD) hat vor dem Hintergrund drohender genereller Fahrverbote für Diesel-Pkw eine Wende in der Verkehrspolitik gefordert: „Ziel muss es sein, den ÖPNV spürbar besser zu machen – mit einem erweiterten Angebot zu attraktiven Fahrpreisen. So können wir die Menschen für die Verkehrswende gewinnen und den Autoverkehr reduzieren“, betonte die Politikerin, die Mitglied des Verkehrsausschusses ist, in einem Interview mit der Zeitschrift „VDV Das Magazin“ des Verbands Deutscher Verkehrsunternehmen.

Die Busflotten müssten rasch auf Diesel-Euro-VI-Standard gebracht werden. Es genüge nämlich nicht, den Anteil von E-Bussen in den Flotten zu erhöhen: „Wenn wir kurzfristig Erfolge bei der Luftreinhaltung erzielen wollen, führt außerdem kein Weg daran vorbei, dass die Bundesregierung die Autoindustrie stärker in die Pflicht nimmt – etwa bei Hardware-Umrüstungen von Diesel-Pkw“, erklärte die Abgeordnete. Allein schon aus Sicht des Verbraucherschutzes sei es unverständlich, dass die Hersteller keinen Schadensersatz leisten müssten.

Dos Santos Herrmann hielt zudem das „Sofortprogramm saubere Luft“ der Bundesregierung mit einem Volumen von einer Milliarde Euro für unzureichend: „Bei dieser Summe sehe ich angesichts der notwendigen Investitionen ohnehin noch Luft nach oben, wenn wir in Schienenwege, eine leistungsfähige digitale Infrastruktur sowie in moderne Diesel- und E-Busse und elektrisch angetriebene kommunale Fahrzeuge wie Müllwagen investieren wollen.“

Die SPD-Politikerin lehnte die Einführung einer blauen Plakette ab, denn sie bedeute Fahrverbote. Mit Verboten sei jedoch kein Bewusstseinswandel herbeizuführen. Wichtig sei es, die Städte so zu planen, dass nicht nur der ÖPNV gut laufe, sondern auch Fußgänger und Fahrradfahrer besser unterwegs sein könnten: „Da der motorisierte Individualverkehr dafür Flächen abgeben müsste, würde das Autofahren unbequemer.“ Weniger Autoverkehr sei letztlich jedoch ein Gewinn für alle.