Kronenbrot-Insolvenz: Gemeinsames Schreiben an Minister Pinkwart

Kronenbrot-Insolvenz: Das Schreiben an den Minister im Wortlaut

 

Sehr geehrter Herr Minister,

im Sommer dieses Jahres wurde bekannt, dass die Großbäckerei Kronenbrot erneut insolvent ist. Kronenbrot war einer der wichtigsten Backwaren-Zulieferer der großen deutschen Discounter. An den drei Standorten in Köln, Witten und in der Städtere­gion Aachen beschäftigte das Unternehmen zuletzt rund 1.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Darunter waren Fachkräfte aus dem Bäckereihandwerk, Technikerinnen und Techniker, Fahrerinnen und Fahrer, aber auch zahlreiche an- und ungelernte Kräfte.

Wirtschaftliche Probleme bestanden seit längerem und Kronenbrot war bereits im Frühjahr 2016 insolvent. Unter großen Anstrengungen schien eine Sanierung da­mals möglich: Ein Investor übernahm das einstige Familienunternehmen und eine neue Geschäftsführung wurde eingesetzt. Die Beschäftigten nahmen freiwillig Ge­haltseinbußen hin, in der Hoffnung, ihren Arbeitsplatz auf diese Weise langfristig zu sichern.

Eine erneute Sanierung scheint nun nicht in Frage zu kommen. In den Gesprächen, die wir in den letzten Wochen vor Ort mit den Betriebsräten und der Gewerkschaft NGG geführt haben, wurde sehr deutlich die Sorge geäußert, dass ein Großteil der Beschäftigen kaum Chancen auf dem Arbeitsmarkt hat.

Zahlreiche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sind seit Jahrzehnten bei Kronenbrot be­schäftigt. Gerade am Stammsitz Würselen gibt es Familien, deren Arbeitsplatz über mehrere Generationen hinweg bei Kronenbrot war. Dieser hohe Identifikationsgrad mit dem Unternehmen wird nun zum Problem der persönlichen Biographie.

Der große Anteil an Schwerbehinderten und ungelernten Kräften in der Belegschaft zeugt zwar von der langjährigen sozialen Verantwortung des Unternehmens, aber gerade diese Menschen sind vom Verlust des Arbeitsplatzes nun besonders schwer getroffen.

Die Tatsache, dass die Belegschaft bereit war, im Rahmen der versuchten Sanie­rung Gehaltskürzungen hinzunehmen, wird nun dazu führen, dass auch der An­spruch auf Arbeitslosengeld spürbar geringer ausfällt. Das ist eine Ungerechtigkeit, für die niemand Verständnis hat.

Kürzlich wurde die erste Gläubigerversammlung durchgeführt und laut Zeitungsbe­richten betragen die Forderungen gegen Kronenbrot mehr als 20 Millionen Euro. Es sei absehbar, dass die Beschäftigten ohne eine Abfindung auskommen müssten.

Sehr geehrter Herr Minister, wir möchten nachdrücklich darum bitten, dass die Lan­desregierung alle Möglichkeiten prüft, die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zu unter­stützen.

Für Gespräche stehen wir gern zur Verfügung.

In der Hoffnung auf Ihre Unterstützung verbleiben wir mit freundlichen Grüßen

Nadja Büteführ, Stefan Kämmerling, Susana dos Santos Herrmann, Karl Schultheis und Eva-Maria Voigt-Küppers